Rezension: Ubuntu 14.04 für Ein- und Umsteiger

Posted on So 11 Januar 2015 in Rezension

Das Buch „Ubuntu 14.04 - Für Ein- und Umsteiger“ ist ein Taschenbuch welches sich speziell an Einsteiger und Umsteiger richtet. Es soll einen guten Einblick in die tägliche Nutzung von Ubuntu geben.

Was steht drin?

Das Buch beinhaltet insgesamt 267 Seiten, die in 13 Kapiteln unterteilt sind. Zusätzlich dazu beginnt das Buch mit einem einleitenden Vorwort. Das Buch bietet einen Überblick über die Installation, Nutzung von Ubuntu und die Nutzung der vorinstallierten Programmen. Dem Buch beigelegt ist ebenfalls eine Live-DVD von Ubuntu 14.04.

Im einleitenden Kapitel geht es zunächst auf wenigen Seiten um die Frage, was Linux bzw. Ubuntu ist und für wen es geeignet ist. Es wird dabei kurz die Philosophie von Ubuntu erläutert, die existierenden Ubuntu-Derivate aufgelistet, sowie Konzeption des Buches und der Inhalt der DVD beschrieben.

Im ersten echten Kapitel wird zunächst erklärt, wie und wo man Ubuntu herunterladen kann und wie man dazu das passende Boot-Medium, also DVD oder USB-Stick, unter Windows erstellt.

Das zweite Kapitel befasst sich mit der Live-Session von Ubuntu, welche man mittels der beiliegenden DVD, der selbstgebrannten DVD oder mittels eines USB-Sticks starten kann. Anschließend folgt eine Beschreibung, wie man die gängigen Daten unter Windows sichern kann, um anschließend die Basis-Installation durchzuführen, die im Anschluss daran erklärt wird.

Im dritten Kapitel folgt der Einstieg in Unity, der grafischen Oberfläche von Ubuntu. Dort wird ein guter Einstieg in die Komponenten des Unity-Desktops gegeben, etwa wie der Launcher und die Dash funktioniert und was man alles im oberen Panel findet.

Im Anschluss wird im vierten Kapitel dargelegt, wie man seine Ubuntu-Installation einrichtet. Darunter fällt, wie man sich mit einem WLAN-Netzwerk verbindet und was man zu tun hat, wenn etwa der WLAN-Stick nicht automatisch erkannt wird. Weiterhin wird auch noch thematisiert, wie man einen UMTS-Stick in Betrieb nimmt. Neben dem Internet-Zugang wird auch noch genannt, wie man das System aktualisiert, fehlende Sprachpakete nachinstalliert und die Grafikkarte einrichtet. Zum Schluss des Kapitels werden noch die Drucker- und Scanner-Einrichtung sowie die Installation von Software aus dem Software-Center und auch außerhalb des Software-Centers beschrieben.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit der Nutzung von Firefox, Thunderbird, Empathy und Skype. Mit dabei ist auch eine Anleitung, wie man seine Daten aus dem Firefox- und Thunderbird-Profil aus dem Windows-System überträgt und in Ubuntu nutzbar macht.

Im sechsten Kapitel dreht es sich darum, wie man Windows-Programme unter Ubuntu benutzt. Dabei wird nicht nur Wine genannt, sondern auch wie man sich mit VirtualBox eine Windows-VM aufsetzen kann.

Das siebte Kapitel widmet sich vom Einsatz von Ubuntu in einer Gruppe, also die Erstellung und Verwaltung mehrere Benutzerkonten auf einem System.

Anschließend folgt im achten Kapitel ein ausführlicher Überblick über LibreOffice. Konkret wird mit vielen Screenshots bebildert die gängige Nutzung von Writer, Calc, Impress und Draw beschrieben.

„Mit Ubuntu in der Cloud“ lautet das Thema des neunten Kapitels. Hierbei geht es grundsätzlich um verschiedene Cloud-Speicherdienste. So wird erklärt, wie man Dropbox, Copy, Wuala und Spideroak unter Ubuntu installiert und einrichtet.

Das zehnte Kapitel beleuchtet die Sicherheit des Systems. Allerdings ist die Beschreibung zum Sicherheitskonzept eher kurz. Stattdessen ist eine Empfehlung für sichere Passwörter enthalten und eine kurze Beschreibung wie man die Chronik in Firefox deaktiviert. Weiterhin wird noch erläutert, wie man seine Dateien mit dem Programm Déjà Dup sichert.

Etwas in die Tiefe geht das elfte Kapitel, in dem die Verzeichnisstruktur von Linux-Systemen erläutert wird. Außerdem folgt ein recht kurzer Einblick in die Nutzung des Terminals.

Das zwölfte Kapitel leitet das Ende des Buches ein, in dem die vorinstallierten Programme in Ubuntu kurz beschrieben werden. Anschließend folgt das letzte Kapitel, in dem erläutert wird, wie man eine VPN-Verbindung zu der heimischen Fritz!Box einrichten kann.

Wie liest es sich?

Wie es der Titel bereits beschreibt, eignet sich das Buch wirklich nur für Einsteiger und Umsteiger. Insbesondere richtet sich das Buch auch an Einsteiger, die bislang nur wenig einen Computer benutzt haben. Die Beschreibungen in dem Buch sind in der Regel ausführlich, auch wenn nur auf die gängigsten Funktionen eingegangen wird. Außerdem werden sehr viele Screenshots verwendet. Die Anleitungen lassen sich dadurch sehr gut und einfach nachvollziehen. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und enthält auch einige persönliche Meinungen des Autors.

Kritik

Das Buch ist der Nachfolger des Buches „Ubuntu 12.04 - Für Ein- und Umsteiger“, welches in freiesMagazin 10/2012 rezensiert wurde. Es lohnt sich also ein Blick zurück zu werfen, um zu schauen, ob die angebrachte Kritik umgesetzt wurde. Leider wurden damals schon eine Vielzahl an Dingen bemängelt, die in dieser Ausgabe größtenteils wieder auftauchen.

In der vorherigen Ausgabe des Buches war nicht bekannt, welche Kenntnisse und wie viel Erfahrung der Autor im Umgang mit Ubuntu und Linux im Allgemeinen besitzt. Das hat sich in dieser Ausgabe nicht geändert, da keinerlei Informationen zum Autor dem Buch zu entnehmen ist.

Ungünstig umgesetzt waren damals die Screenshots, da diese teilweise vom Bildschirm abfotografiert wurden, schlecht angeschnitten wurden, sowie die Abbildungen viel zu dunkel geraten sind. In dieser Ausgabe sind zwar eine Vielzahl an abfotografierten Bildschirm-Abbildungen verschwunden, einige wenige sind allerdings immer noch enthalten. Die Abbildungen sind teilweise immer noch zu dunkel, was auch daran geschuldet ist, dass es gänzlich in Schwarz-Weiß gedruckt ist. Schlecht und merkwürdig angeschnittene Screenshots sind allerdings weiterhin enthalten, sodass man einige findet, in denen Teile der Titelleiste eines Fensters fehlen oder einige Buchstaben im Nichts verschwinden. Ebenfalls fallen einige Screenshots negativ auf, die im Vergleich zu anderen Screenshots deutlich verschwommener sind als der Rest. Diese Fehler sind optische Feinheiten, die man sehr einfach hätte beheben können.

Bereits im August 2011 wurde die Hardwaredatenbank von ubuntuusers.de eingestellt, da sie nicht nur schlecht gewartet sondern auch nicht sonderlich aktuell war. Obwohl dies bereits in der vorherigen Rezension kritisiert wurde, fand auch dieser Teil den Weg in das Buch mit dem Zusatz, dass die Hardwaredatenbank „aktuell und gut gepflegt“ ist.

Gravierend sind außerdem die zahlreiche inhaltlichen Fehler, die sich in diesem Buch finden. So wird diesmal wenigstens kurz erwähnt, dass es 32-Bit- und 64-Bit-Systeme gibt und wie man prüfen kann, ob man ein 64-Bit-fähige Hardware vorhanden ist. Allerdings wird auch diesmal empfohlen die 32-Bit-Variante zu nutzen, wenn man sich nicht sicher ist. Skandalös ist allerdings die Aussage des Autors, dass angeblich nicht alle Entwickler erkannt haben, dass sich die 64-Bit-Architektur durchgesetzt hat. Dazu schreibt der Autor, dass Erfahrungen zeigen, dass die 32-Bit-Versionen angeblich stabiler und nahezu störungsfrei laufen, was bei der 64-Bit-Version nicht der Fall sei, da sie mehr Probleme verursache. Dies führt bei Unwissenden, an welche das Buch ja gerichtet ist, eher dazu, dass sie Angst haben und die 32-Bit-Version installieren, obwohl die 64-Bit-Version sehr wohl stabil ist.

Wie bereits erwähnt, ist das Buch übersät von zahlreichen Fehlern. Unter anderem heißt an einer Stelle der Desktop nicht mehr „Unity“ sondern „Utility“. Außerdem wird auf die Downloadseite auf unbuntu.com verlinkt. Der Tippfehler führt interessanterweise trotzdem auf die richtige Webseite auf ubuntu.com. An anderer Stelle wurde statt auf ubuntuusers.de auf ububtuusers.de verlinkt, ebenfalls ein Tippfehler, der eigentlich bei den Korrekturen auffallen hätte müssen. Ungünstig ist auch, dass ein paar Befehle falsch aufgeführt werden, ein '''Sudo''' oder '''Apt-get''' mit beginnenden Großbuchstaben führen nämlich zu einem Fehler. An andere Stelle wird zwar in der Kapitelbeschreibung erwähnt, dass die Nutzung von Gwibber erklärt wird, zu finden ist sie allerdings nicht. Interessant ist auch, dass bei der Anleitung zur Installation von Grafikkarten-Treibern scheinbar ein Absatz oder gar eine ganze Seite fehlt, da der Teil inhaltlich einfach keinen Sinn ergibt.

Ebenfalls glänzt der Autor mit gefährlichen Halbwissen, so ist es angeblich durch den Bug Heartbleed möglich, den Quellcode der „Sicherheitssoftware SSL“ anzugreifen. Außerdem bringt der Autor zwar ein einigen Stellen Datenschutz ein, schreibt allerdings größtenteils auch nur, dass man die Chronik der besuchten Webseiten im Firefox abschalten sollte und Cookies nach dem Beenden von Firefox automatisch löschen lassen sollte. Wichtigere Dinge wie etwa das Verhindern des Trackens von Webseiten-Besuchern mittels Plug-ins wie Ghostery oder Tor werden in keinem Wort erwähnt.

Inhaltlich fehlen meiner Meinung nach noch ein paar wichtige Dinge im Umgang mit Ubuntu. Zwar wurde zwar wenigstens diesmal ganz kurz erwähnt, dass es andere Derivate gibt, allerdings wäre da ein paar genauere Informationen schon sinnvoll gewesen, da Ubuntu nicht nur Unity, sondern eben unter anderem auch Kubuntu, Xubuntu und Lubuntu ist. Ein eigenes Kapitel wäre hierfür eher angebracht, als das Kapitel zur Installation und Einrichtung eines VPN zur heimischen Fritz!Box. Dieses Kapitel wird merkwürdigerweise mit Windows-Software angeleitet.

Weiterhin fehlen jegliche Informationen zu den LTS- und STS-Versionen von Ubuntu. So wird der Leser nicht schlau, wann er sein System aktualisieren sollte, wie lang die Unterstützung für das System läuft und in welchen Rhythmus die LTS-Versionen erscheinen. Weiterhin wäre es für Ein- und Umsteiger eher angebracht, mehr auf äquivalenten Windows-Programme unter Linux einzugehen. Stattdessen wird ausführlich auf Wine eingegangen und geschrieben, dass es mit einem großen Teil von nicht allzu komplexen Windows-Programmen funktionieren soll. Sinnvoller wäre es daher, nicht nur Firefox, Thunderbird und LibreOffice ausführlich zu erklären, sondern auch etwa die Verwaltung von Fotos mit entsprechenden Programmen oder die Verwaltung von Dateien mit Nautilus.

Ebenfalls schwach ist, dass das Konzept der Paketverwaltung kaum zur Geltung kommt. Es wird zwar erwähnt, dass man im Software-Center sehr viele Programme findet, dazu fehlt allerdings die Information zur dahinter liegenden Paketverwaltung und wie es mit den Aktualisierungen der Programme über die Aktualisierungsverwaltung aussieht. Fatal ist auch, dass sowohl Skype als auch VirtualBox als Deb-Paket über die Hersteller-Seite heruntergeladen werden, statt das Standard-Repository beziehungsweise das Partner-Repository zu nutzen. Zwar wird einige Kapitel später die Installation von Skype nochmals angeschnitten und das Canonical-Partner-Repository erwähnt, allerdings erfolgte vorher die Installation des völlig veralteten Skype-Pakets in Version 2.2. Hier scheint man einfach das Kapitel aus dem Vorgänger-Buch ohne Korrekturen übernommen zu haben.

Die Nutzung des Terminals wird zwar in dem Buch kurz angeschnitten, allerdings nur sehr sehr oberflächlich und mit dem Zusatz, dass das Terminal ja nur von Profis genutzt wird. Ein positiver Blick auf die sinnvollen Funktionen eines Terminals fehlt völlig, stattdessen wird es als Tool für Profis negativ abgestempelt.

Fazit

Das Buch macht leider gar keinen guten Eindruck. Ein Großteil der Anleitungen ist sehr gut auf Ein- und Umsteiger zugeschnitten, sodass diese schon die Zielgruppe gut ansprechen. Nachteilig sind allerdings die zahlreichen optischen und inhaltlichen Fehler, die schon ziemlich gravierend sind und womit der Autor seine Unwissenheit zur Schau stellt. Für die meisten dürften sich daher das Buch nicht sonderlich lohnen, da kann man die 15 Euro sinnvoller einsetzen. Der Autor selbst verweist häufig auf das Wiki von ubuntuusers.de. Dort findet man nicht nur mehr Informationen, diese enthalten in der Regel auch nicht solche gravierenden Fehler.

Die Errata zum Buch gibt einen kleinen Einblick in das Geschriebene, wobei in der Errata immer noch zahlreiche Fehler enthalten sind, die in dieser Rezension aufgeführt werden.

Buchinfo:

Titel: Ubuntu 14.04 - Für Ein- und Umsteiger

Autor: Christoph Troche

Verlag: bhv, 2014

Umfang: 267 Seiten

ISBN: 978-3-8266-7641-3

Preis: 14,99€

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